Chloé völlig von der Rolle

Chloé völlig von der RolleWenn ich auf die Frage eine Antwort geben soll, worum es in diesem Buch geht, so ist es keineswegs gelogen, wenn ich sage: Um Toiletten. Diese bzw. genau genommen das Schulklo des Notburga-von-Sorgenfrey-Gymnasiums sind der zentrale Handlungsort der Geschichte.

Nun handelt es sich dabei keinesfalls um ein gewöhnliches Klo, nein, es ist ein ganz besonderes! Die Kloschüsseln selbst sind prunkvoll verziert, an der Rückwand der Kabinen gibt es ein riesiges Aquarium und das Klopapier riecht nach leckerem Kaugummi. Doch damit nicht genug! Im Vorraum steht ein gemütliches Sofa, das zum Plauschen einlädt und Chloé und ihren Freundinnen als Hausaufgabenabschreibeplatz dient. Auch der Schulkater findet es so gemütlich dort, dass er auf dem Mädchenklo wohnt. Es verwundert daher nicht, dass sich die Mädchen häufig auf diesem aufhalten und allerlei Klatsch und Tratsch hier zuerst besprochen wird. Als Chloé wieder einmal in letzter Sekunde die Hausaufgaben bei Melanie abpinselt, hört sie ein merkwürdiges Geräusch und findet wenig später ihre neue Mitschülerin Pauline, die über Nacht in einer Kabine eingesperrt war. Ohne ein Wort zu verraten stürmt Pauline davon und zurück bleibt eine verwirrte Chloé. Wer bitteschön ist so gemein, ein Kind auf Toilette einzusperren – etwa Angelique, die Oberzicke? Und warum behält Pauline alles für sich?

Auf dem üblicherweise eher stillen Örtchen geht es in diesem Buch ordentlich zur Sache. Die Protagonistin Chloé und deren Freunde, allen voran Ernst, sind sympathisch gezeichnet. Vor allem Chloé zeigt einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, wenn es um Pauline geht. Diese ist ein richtiger Sonderling mit unmodernen Hippieklamotten und mürrischer Art. Ihr gegenüber steht die Obertussi Angelique, die sich mit einer sehr wohlhabenden und spendablen Mutter in der Schule scheinbar alles erlauben kann. Beide Mädchen sowie einige Lehrer und der Direktor sind überspitzt und wenig überzeugend dargestellt. Der eigentliche Inhalt des Buches dreht sich um die Frage, wie es gelingen kann, Pauline in eine allseits beliebte Schülerin zu verwandeln. Dafür greifen Pauline und ihr bester Freund Ernst auch zu verbotenen Maßnahmen, die unbemerkt und damit auch unbestraft bleiben. Der Ausgang ist nicht vorhersehbar und überraschend, allerdings ebenfalls komplett unrealistisch.

Da die 193 Seiten in 15 Kapitel unterteilt sind und auch der Sprachstil gut verständlich und unterhaltsam ist, ist das Buch geeignetes Lesefutter für Kinder. Die Bilder und Vignetten in schwarz-weiß sind ansprechend, teils comicartig, teils detailliert gezeichnet und eine wiederholt auftauchende EnzyKlopädie verkündet amüsante Kloweisheiten.

Fazit: Ein unterhaltsames Buch für Kinder ab einem Alter von 9 Jahren, dessen eigentlicher Inhalt durchaus kritisch zu betrachten ist. Ich schwanke daher zwischen 3 und 4 Sternen und vergebe 3,5.

Chloé völlig von der Rolle von Sonja Kaiblinger (Autorin) und Vera Schmidt (Illustratorin), Loewe 2016, gebundene Ausgabe 9,95€, 208 Seiten, ISBN: 978-3785582381

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