Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben

bilderbuch-fuchsMit dem Herbstbeginn werden die Tagen kürzer und auch spürbar kühler. Die Bilderbuch-Zeit hat wieder Saison und während einer Tasse Tee auf dem Sofa ist Gelegenheit zum Lesen und Geschichten erfinden.  Ein ganz besonderes Bilderbuch stelle ich euch heute vor, dessen Farben perfekt zur Jahreszeit passen. Besonders Grundschulpädagogen möchte ich ermuntern: lest weiter, es lohnt sich!

Das kleine Mädchen liebt Geschichten, die es in andere Welten tragen und an geheime Orte führt, die niemand sonst kennt. Voller Freude eilt sie daher mit einem Buch der Lehrerin heim, das die ihr als „magisches Buch voller Geschichten“ übergeben hat. Umso trauriger ist das Kind, als es entdeckt, dass das Buch keine Wörter und damit auch keine Geschichten enthält. Ein Flüstern im Wind macht ihr Mut, in die Bildwelten des Buches einzutauchen, deren Geschichten zu entdecken und immer wieder neu zu erfinden. Zunächst noch zaghaft und bald immer sicherer nimmt sie das Angebot an und ist bald so fasziniert, dass in dieser Nacht an Schlaf kaum zu denken ist.

Dieses preisverdächtige Bilderbuch richtet sich an ältere Kinder ab 6 Jahren. Es ist in vielerlei Hinsicht besonders. Allein die Illustrationen, so versponnen, träumerisch, voller Anspielungen und Kreativität sind außergewöhnlich. Was es hier alles zu entdecken gibt! Jede einzelne Doppelseite ist ein Kunstwerk für sich, das zum Verweilen und Fantasieren einlädt.

 

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©Knesebeck Verlag

Am unteren Bildrand hockt stets das Mädchen, vor sich genau die Buchseite aufgeschlagen, die auch der Leser sieht. Daneben passend zum Bild eine Überschrift und der Einstieg in die Geschichte. Den weiteren Verlauf bestimmt der Leser selbst, da nur der Beginn vorgegeben ist. Damit stellt dieses Bilderbuch gewisse Ansprüche und erfordert eine ruhige Minute, in der Zeit für Phantasie und Kreativität ist.

„Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben“ bietet herausragendes Potential für den Einsatz im Unterricht, da sich jede Buchseite als Erzähl- und Schreibanlass förmlich aufdrängt. Zahlreiche Anspielungen zu anderen Fabeln, Märchen und fantastischen Geschichten wollen entschlüsselt werden. Vielleicht als Rätsel im Deutschunterricht? Auf jeder Seite flattert eine Schar Maikäfer durchs Bild, ein altes Glückssymbol. Am Ende wird die Fabel „Der Fuchs und die Trauben“ kurzerhand umgeschrieben, denn auch er war auf jeder Seite dabei und weiß nun, dass er seine Geschichten verändern kann.

Ein ebenfalls sehr schönes Bilderbuch über die Phantasie und das Erfinden von Geschichten ist Die Geschichtenmaschine. Dieses Buch eignet sich bereits für Kindergartenkinder, da es weniger vielschichtig ist.

Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben von Pamela Zagarenski (Autorin und Illustratorin), aus dem Englischen von Gundula Müller-Wallraf, Knesebeck 2016, gebundene Ausgabe 12,95€, 40 Seiten, ISBN: 978-3-86873-942-8.

2 Gedanken zu „Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben“

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