Die Spur ins Schattenland

jugendromanCharlie erleidet nach dem Verlust ihres Freundes einen schweren Schock und driftet zunehmend in eine Traumwelt ab, was sich bald als lebensgefährlich herausstellt. Obwohl er vieles nicht versteht, kämpft ihr Bruder um sie. Wer ist stärker – die Kraft der Liebe des Bruders zu seiner Schwester oder die Dämonen aus Charlies Unbewussten?

Charlie und Max waren beste Freunde. Oft sind sie zu zweit umher gezogen, sind auf Felsen und Dächer geklettert, mit dem Fahrrad durch die Gegend gesaust und am Mühlteich baden gegangen. Nun ist Max nicht mehr da. Alle denken, er wäre ertrunken. Nur Charlie weiß, wie es wirklich war. Sie hat sie gesehen, die Wesen aus der Schattenwelt, die ihren Freund unter Wasser entführt haben. Und sie hört ihn rufen, spürt seine Anwesenheit und weiß, dass er ihre Hilfe braucht, damit er zurück kommen kann. Nacht für Nacht sucht sie ihn in ihren Träumen im Schattenland und bald auch am Tag. Nach dem Erwachen schreibt sie alles in ihr Notizbuch, dass ihr der Psychiater gegeben hat. Der geht Charlie ebenso wie ihre Mutter und ihr Bruder auf die Nerven. Da ihr keiner glaubt, schweigt sie und behält ihre persönliche Wahrheit für sich. Eine gefährliche Wahrheit, die in einem wahnhaften Zustand endet, ohne dass sie selbst es bemerkt.

Wer von diesem Buch einen spannenden Fantasy-Roman erwartet, der wird enttäuscht, wobei es sich bis zum Schluss um einen solchen handeln könnte. Die meiste Zeit erfahren wir die Erlebnisse aus Charlies Perspektive, immer wieder unterbrochen von James Eindrücken, in denen er seine Sorgen und Bedenken äußert. Der Wechsel aus Innen- und Außensicht führt den Leser ein wenig in die Irre, da es ebenso der Bruder sein könnte, der sich täuscht. Allzu real erscheinen Charlies Ausführungen über ihre Wanderschaft in der Schattenwelt und zeigen damit sehr deutlich, wie trügerisch Wahrnehmung sein kann. Wer sich ein wenig mit Psychologie auskennt, erkennt unweigerlich die Symptome: soziale Isolierung, Verleugnung, ungelebte Trauer und zunehmende Schlaflosigkeit lassen nichts gutes erahnen. Hinzu kommt der schlechte Kontakt zur Mutter, die keine emotionale Nähe mit ihrer Tochter aufbauen kann und ein Psychiater, der die Ruhe vor dem Sturm nicht erkennt. Charlie verschließt sich völlig und erst in der schlimmsten Verzweiflung wendet sie sich an ihren Bruder. Während die Handlung bis hierhin eher ruhig verlief, überschlagen sich nun die Ereignisse und Charlie erscheint in völlig neuem Licht.

Ein psychologisch feinfühliger Roman für Jugendliche, der sich gekonnt den Problemen mit dem Verlust einer geliebten Person widmet.

Die Spur ins Schattenland von Jonathan Sproud (Autor) und Bernadette Ott (Übersetzerin), cbj 2016, Taschenbuch 8,99€, 320 Seiten, ISBN: 978-3570225974

6 Gedanken zu „Die Spur ins Schattenland“

  1. Hi Anna,

    der große „Stroud“ – ich kenne bisher nur Bartimäus und Lockwood. Von beiden Serien bin ich unglaublich begeistert. Ich hätte jetzt auch gedacht, dass es sich bei dem Schattenland um ein Fantasybuch handelt. Gut, dass ich vorgewarnt bin. Dann habe ich andere Erwartungen.
    Danke übrigens für den „Mord ist nichts für junge Damen“-Tipp. Das Buch hat meinen Sohn mit den ganzen Misses zwar sehr verwirrt und nicht wirklich interessiert, aber ich fand die Geschichte sehr schön und einfach irgendwie mal anders.
    LG

      1. Jein. Es ging ihm nicht um die Damen an sich (anonymerweise darf ich hier ausnahmsweise verraten, dass er ein großer Bibi und Tina Fan ist ;-))… aber er konnte sie nach Lesepausen nicht gut auseinanderhalten. Es waren einfach zuviele.

    1. Ich hatte bisher kein Buch von ihm gelesen, aber dieses hier war gut. Solange man keinen Fantasy-Riman erwartet hat, die Ankündigung klingt danach.

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