Ich, Onkel Mike und Plan A

jungen-pubertaet, Ich, Onkel Mike und Plan AEigentlich stand für die Sommerferien ein Camping-Urlaub mit seinem Papa auf dem Plan, doch der will nun die neue Freundin und deren Kinder mitnehmen. Das ist zu viel für Leon! Vorbei der Traum von einem echten Männerurlaub in der Wildnis. Er plündert sein Sparschwein und begibt sich auf eine abenteuerliche Reise. Seine Eltern und all den Kinderkram lässt er hinter sich.

Für einen beinahe 12 jährigen Jungen ist das Leben nicht einfach. Vor allem dann nicht, wenn die Eltern getrennt leben und beide neue Partner einschließlich kleiner „Rotzlöffelkinder“ mitbringen, wegen denen statt eines Abenteuerurlaubs die Fahrt ins Kinderhotel auf dem Plan steht. Wütend, verzweifelt und gleichzeitig mit unüberhörbar schlechtem Gewissen fasst Leon einen Plan und brennt durch. Er fährt nach Hinter-Oberdorf, um die Ferien bei seinem coolen Onkel, einem Gangster-Rapper, zu verbringen. Was er dort vorfindet, verschlägt ihm zunächst den Atem. Aber echte Kerle kann man so schnell nicht schockieren!

Dieses Buch fasziniert mit dem saloppen Tonfall des jugendlichen Ich-Erzählers und den Tabubrüchen des Onkels mit Alkohol, Frauen und einem wilden Leben, das Leon sehr anziehend und gleichzeitig auch abstoßend findet. Als pädagogisch geschädigtes Kind einer gut strukturierten und organisierten Mutter, wie Leon sich selbst bezeichnet, könnte der Kontrast zum zunächst verzweifelten und heruntergekommenen Onkel ohne Geld und festen Arbeitsvertrag kaum größer sein.

Hin und hergerissen zwischen Ansprüchen der Mutter, die allerhand Einschränkungen, Bedenken und Steifheit beinhalten, und dem Wunsch nach Freiheit durchlebt der Junge ein Durcheinander an Gefühlen, zwischen denen er sich zunächst kaum zurecht findet. Wiederholt fragt sich der Leser, ob der Onkel ihm dabei eine Hilfe ist oder Leon umgekehrt vielmehr diesem hilft. Schlussendlich helfen sie sich gegenseitig auf eine Art, wie nur „echte Kerle“ es tun.

Aufgrund des Themas und der etwas komplexen Sprache einschließlich Fremdworten aus dem englischsprachigen Raum ist das Buch frühestens mit 11 Jahren zu empfehlen. Statt einer Lektüre über die Pubertät könnte dieses Buch auch für Eltern lehrreich sein und dazu animieren, die ein oder andere Situation entspannt hinzunehmen und darauf zu vertrauen, dass das eigene Kind „die gute Erziehung“ nicht sofort vergessen wird. Daher: Leseempfehlung auch wenn es zunächst schräg klingt (und auch ist).

Altersempfehlung: 11-13 Jahre

Ich, Onkel Mike und Plan A von Alice Gabathuler (Autorin) und Lisa Hänsch (Illustratorin), arsEdition 2016, gebundene Ausgabe 12,99€, 160 Seiten, ISBN: 978-3845811499

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