Kinderbücher über Demenz und Alzheimer

Wenn die Großeltern an Demenz erkranken, ist das für die Familienangehörigen oft schwer. Auch Kinder sollten erfahren, was es mit dieser Krankheit auf sich hat, wohin sie führen wird. Es gibt einige sehr gute Kinderbücher über Demenz und Alzheimer, die ich euch hier vorstelle.

Kinderbücher über Demenz und Alzheimer

Bei Kinderbüchern über Alzheimer und Demenz stellt sich die Frage, ob man das Kind mit dem Buch alleine lassen kann oder ob es besser ist, dieses gemeinsam zu lesen. Kinder wissen selbst oft sehr gut was sie brauchen und ich würde sie einfach fragen, womit sie sich wohler fühlen.

In diesem Beitrag stelle ich euch Kinderbücher über Demenz vor, wenn ihr stattdessen nach einem Bilderbuch sucht, bitte hier entlang: Bilderbücher über Demenz und Alzheimer. Besonders in der Grundschule greife ich bevorzugt zu Bilderbüchern, denn die sind nicht nur für Kindergartenkinder geeignet und passen hervorragend, wenn ich mit Kindern über ein bestimmtes Thema sprechen möchte.

 

Romys Salon

Tamara Bos, Petra Baan & Andrea Kluitmann: Romys Salon – Gerstenberg Verlag, 6/2018, 192 Seiten, ab 9 Jahren, aus dem Niederländischen

Romys Oma hat einen kleinen Friseursalon mit einer Angestellten. Seit ihre Eltern getrennt sind, muss Romy jeden Tag nach der Schule dorthin gehen, was ihr nicht gefällt. Oma Stine ist keine warmherzige alte Frau, wie andere Omas. Romy hat sie noch nie weinen sehen und das Kind wundert sich immer mal, warum die langjährige Angestellte aus dem Salon von dem Umgangston keine schlechte Laune bekommt.

Doch dann verändert sich Oma. Zuerst wird sie vergesslich, kann das aber nicht zugeben. Romy und ihre Oma nähern sich an, eine Beziehung, wie sie nie dagewesen war, entsteht zwischen den beiden. Oma macht nun verrückte Sachen, die sie früher nie getan hätte.

Romy will es nicht wahrhaben, aber irgendwann ist Oma derart verwirrt, dass sie nicht alleine im Friseursalon leben kann. Für Romy, die noch immer unter der Trennung ihrer Eltern leidet, ist das besonders schwierig, denn ein weiteres Stück Geborgenheit und Heimat geht verloren.

Oma ist nun im Pflegeheim. Sie erinnert sich sehr deutlich an ihre Kindheit in Dänemark, kennt die Anschrift ihres damaligen Hauses aber weiß oft nicht, wer Romy ist und in welchem Zimmer sie jetzt wohnt. Romy fasst einen Beschluss. Sie möchte Oma an den Ort ihrer Träume bringen, in der Hoffnung, dass dann alles gut wird. Dabei muss sie feststellen, dass ihr die Sache über den Kopf wächst, denn auch wenn alle sich dagegen wehren, lässt sich eine Demenz nie wieder rückgängig machen.

„Romys Salon“ ist aus Romys Perspektive geschrieben und ermöglicht damit Einblicke in das Erleben des Kindes, das noch nicht über die notwendigen Erfahrungen verfügt, um das Geschehen mit klarem Verstand zu beurteilen. Hierin liegt die Stärke des Buches. Mit sehr viel Feingefühl sind die Zerrissenheit des Kindes, seine Sehnsüchte und die etwas naive, kindliche Sichtweise dargestellt. Gleichzeitig enthält die Geschichte warmherzige Familienmomente, in denen die Welt ringsherum nicht interessiert. Die Figuren zeigen eine differenzierte und starke Entwicklung im Verlauf der Erzählung, die beeindruckt. Neben Alzheimer und Demenz ist in diesem Kinderbuch die Scheidung der Eltern ein zentrales Moment.

Kinderbücher aus dem Jahr 2017

2017 sind gleich zwei empfehlenswerte Kinderbücher über Demenz veröffentlicht worden. Neben „Baby Oma“ ist dies „Omas Rumpelkammer“. Bei beiden Büchern steht die Oma-Enkelin-Beziehung im Fokus, es sind also ebenfalls Omas die Erkrankten und ihre Enkelinnen müssen einen Weg mit der neuen Situation finden.

Während bei „Baby Oma“ die Pflege und Betreuung bis zum Tod im Zuhause der Familie erfolgt, wird bei „Omas Rumpelkammer“ eine Heimunterbringung gewählt, die aber nicht positiv, sondern als notwendiges Übel dargestellt ist.

 

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Baby Oma

Friederike Köpf & Anne-Kathrin Behl: Baby Oma – Klett Kinderbuch Verlag, 9/2017, 120 Seiten, ab 9 Jahren

Die 9 jährige Lumi versteht die Welt nicht mehr, als Oma nach Opas Tod bei ihnen einzieht und sich fast schlimmer als ihr kleiner Bruder benimmt. Oma schimpft und flucht und ordentlich essen kann sie auch nicht mehr. Längst überfällig und etwas spät folgen Erklärungen der Eltern. In Lumi kommt ein Prozess in Gang, bei dem sie zunächst alles einfach hinnimmt.

„Ich gewöhnte mich an Oma, so wie man sich an ein bissiges Haustier gewöhnt, das man geschenkt bekommt, ohne dass man es sich gewünscht hätte.“ (S. 28)

Später entdeckt sie freundliche und liebenswürdige Seiten an der alten Frau und findet heraus, dass Oma allerhand Spannendes von früher erzählen kann, als sie noch jung und in Opa verliebt war. Unberechenbar bleibt sie dennoch und so wechseln sich emotional warme Momente mit Situationen ab, in denen sie sich für ihre Oma zutiefst schämt. Am Ende heißt es Abschied nehmen.

„Baby Oma“ ist ein berührendes, gleichzeitig humorvolles und melancholisches Kinderbuch über Demenz. Die Ich-Erzählerin Lumi ermöglicht eine kindlich naive Sichtweise auf das Geschehen, mit der sich Kinder identifizieren können und die gleichzeitig Erwachsenen zeigt, welche Wirkung bestimmte Situationen auf Kinder haben. Ein herausragendes Kinderbuch über Alzheimer und Demenz!

 

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Omas Rumpelkammer

Bette Westera, Joanne Lew-Vriethoff & Rolf Erdorf: Omas Rumpelkammer – Susanna Rieder Verlag, 8/2017, 200 Seiten, 8-10 Jahre, aus dem Niederländischen

Sofia ist gerne bei ihrer Oma, die so weit weg wohnt, dass sie jedes Mal bei ihr übernachtet, wenn sie dort ist. Dann darf sie in Omas Rumpelkammer schlafen, die voller Schätze ist. Natürlich fällt dem Mädchen auf, dass Oma hin und wieder etwas vergisst und sich nicht mehr an alles erinnern kann. Aber sind deswegen die Skepsis und die kritischen Fragen ihrer Mutter berechtigt? Mama vergisst doch auch mal was! So bestellt Oma ungewollt zwei Truthähne für Weihnachten und sucht den Weihnachtsbaum, weil sie nicht mehr weiß, dass er erst später angeliefert wird.

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© Susanna Rieder Verlag

Sofia ist irritiert von diesen Begebenheiten und findet stets Rechtfertigungen, die Omas Verhalten relativieren. Gegenüber ihren Eltern beginnt sie, Oma zu decken und erzählt nicht alles, weil sie die angespannte Situation zwischen ihrer lieben Oma und Mama bemerkt und lange Zeit der Oma mehr Glauben schenkt. Diese kann sich mit ihrer beginnenden Demenz nicht so recht abfinden, obwohl sie systematisch abbaut und am Ende nicht mehr alleine für sich sorgen kann.

Für Sofia geht mit Omas Heimunterbringung ein Stück Heimat verloren und sie braucht ihre Zeit, sich mit der veränderten Situation zu arrangieren.

Dieses Kinderbuch erklärt sehr kindgerecht wie eine Demenz verläuft. Während sich Sofias Oma im Anfangsstadium befindet, zeigt ein anderer Altenheimbewohner die Symptome des weiteren Verlaufes einer Alzheimer-Demenz und gibt Sofia und den Lesern einen Ausblick auf das, was noch kommen wird. „Omas Rumpelkammer“ eignet sich damit seht gut dafür, Kinder auf den Krankheitsverlauf vorzubereiten.

Einziger Kritikpunkt: Das Buch weist einige Längen auf und es wäre sinnvoll gewesen, an der ein oder anderen Stelle weniger detailliert vorzugehen und die Erzählung etwas zu straffen. Davon abgesehen ist dieses Kinderbuch über Demenz sehr empfehlenswert und mit den unterschiedlichen Reaktionen der beteiligten Personen, die keinesfalls immer perfekt reagieren, durchaus realistisch.

Ältere Kinderbücher über Demenz und Alzheimer

Als Opapi das Denken vergaß – Magellan Verlag, Juli 2014, 160 Seiten, 9-11 Jahre

 

2 Gedanken zu „Kinderbücher über Demenz und Alzheimer“

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