Mein Andersopa

Bilderbuch Demenz, Kinderbuch Demenz

Opa und Andersopa sind eigentlich eine Person. Den einen von beiden sieht Nele nur immer seltener und wundert sich regelmäßig über das merkwürdige Verhalten von Andersopa. Sowas hat Opa doch früher nicht gemacht!


Die 7 jährige Nele stellt uns zu Beginn des Buches ihren Opa und ihren Andersopa vor. Während Opa mit schickem Anzug, Krawatte und Blume im Knopfloch mit wachem Blick und einem freudigen Lächeln schaut, steht Andersopa im Schlafanzug mit verschiedenen Socken, unrasiert und einer Gummiente in der Hand etwas verloren da. Danach erzählt uns Nele als Ich-Erzählerin wie ihr Opa früher war und wie er sich – für das Mädchen sehr plötzlich – komplett gewandelt hat.

Die beiden hatten und haben eine gute Großvater-Enkelin-Beziehung zueinander und Opa hat sich immer gut um Nele gekümmert. Nachdem seine Frau vor 2 Jahren verstarb, übernimmt er jetzt das Backen und Kochen und wirkt weder depressiv noch hilflos.

Opa wird zu Andersopa

An dem Tag, als Nele mit ihrer Mama aus dem Urlaub wiederkommt, bemerkt sie eine große Veränderung an Opa. Der adrette Herr, dem gute Manieren und ein ordentliches Aussehen stets sehr wichtig waren, steht etwas verlottert vor ihr. Später wird er anderen Damen gegenüber kleinkindhaft frech, angelt in der Toilette und vergisst ihre Namen.

Zunehmend übernimmt Nele nun Aufgaben für ihren Andersopa, hilft ihm beim Rasieren und beobachtet verwundert so manch merkwürdiges Verhalten. In einem Gespräch zwischen Mama, Nele und dem Hausarzt erfährt Nele von Opas Krankheit, die nicht heilbar ist. Details über die Erklärungen erfahren wir jedoch nicht und ebenso wenig werden die Worte Demenz oder Alzheimer genannt. Das Bilderbuch endet damit, dass Andersopa bei ihnen wohnt und alle mit der neuen Situation gut zurecht kommen.

Bilderbuch über Demenz und Alzheimer
©Daniela Bunge: Mein Andersopa, Hanser 2018

Liebevolle Demenzbetreuung

Der Umgang zwischen Nele und ihrem Opa ist trotz der Rollenumkehr, die sich vollzieht, von tiefem Verständnis und großer Liebe geprägt. Sorgenvolle Blicke auf den Bildern oder kurze Tränen der Mutter deuten daraufhin, dass die Situation nicht einfach ist. Dennoch verliert Nele kein böses Wort und beschwert sich nicht über die Belastungen, die die Pflege eines Demenzkranken mit sich bringt. Der Geisteszustand des Großvaters spiegelt sich in den Bildern durch die Farbwahl wider. Anfangs dominieren kräftig-warme Gelb- und Orangetöne, die Verwirrtheit geht mit einer Zunahme an Blautönen einher, die ebenfalls meist leuchtend sind und warm wirken.

„Mein Andersopa“ erzählt liebevoll und mit tiefem Verständnis über eine Großvater-Enkelin-Beziehung, in der sich aufgrund der Demenz des Opas eine Rollenumkehr vollzieht und am Ende die Enkelin ihrem verwirrten Opa die Liebe zurückgibt, die sie durch ihn zuvor erfahren hat.

 

Rolf Barth & Daniela Bunge:
Mein Andersopa
Carl Hanser Verlag 2018
32 Seiten * gebundene Ausgabe 14€ [D] * Altersempfehlung: 5-8 Jahre

 

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